Ausser Takt

„Takt besteht darin, dass man weiss, wie weit man zu weit gehen darf.“ Dieser Ausspruch von Jean Cocteau ist mir eingefallen, als ich gesehen habe, was der SVP-Nationalrat und Schreinermeister aus Affoltern am Albis zu Schwulen und Lesben und allen anderen, die nicht so leben, wie er es für richtig findet, zum Besten gegeben hat („Verkehrt laufender Hirnlappen“) – und was der Juso-Präsident daraufhin verlauten liess („A-Loch“). Ich finde beides daneben und eben: taktlos. Ersteres wegen des Inhalts und Letzteres wegen des Stils.

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Stadt und Land

„Das Beste wäre, man würde Zürich in zwei Halbkantone aufteilen: Zürich-Stadt und Zürich-Land. Was die Basler können, können wir schliesslich auch.“ Dies meinte ein Bekannter zu mir mit Blick auf die diesjährigen Gemeindewahlen, bei denen wiederum Unterschiede zwischen Stadt und Land sichtbar wurden. Klar: Das Wahl- und Abstimmungsverhalten und die Mehrheitsverhältnisse sind verschieden zwischen Stadt und Land. Die SP und die gesamte Linke sind in der Stadt stärker vertreten als auf dem Land, politisch und personell. Das ist nicht neu, das war schon immer so. Trotzdem halte ich nichts von einer Abgrenzung zwischen Stadt und Land. Die Realität ist nämlich weitaus komplexer und die Grenzen sind sehr unscharf: Was verstehen wir genau unter „Stadt“ und was unter „Land“? Gilt nur die Stadt Zürich als Stadt? Was ist mit Winterthur? Wenn ich durch das Zentrum von Uster flaniere oder durch Opfikon an den Flughafen fahre, nehme ich das subjektiv als städtischer wahr, als wenn ich in der Stadtzürcher Waid Znacht esse oder in der Neuburg Winterthur Bekannte besuche. Genauso verhält es sich umgekehrt mit dem Land: Dass Volken und Wasterkingen als Landgemeinden gelten, dürfte unbestritten sein. Was aber ist mit Gemeinden wie Wallisellen oder Wetzikon? Das sind schon lange nicht mehr Orte, wo sich still und leise Fuchs und Hase gute Nacht sagen; vielmehr handelt es sich dabei um stark wachsende Gemeinden mit zunehmend urbaner Prägung. Und davon gibt es je länger je mehr.

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Wetten, dass...?

„Sie müssen Ihre Risiken minimieren.“ Die Empfehlung meines Versicherungsberaters hat mich daran erinnert, dass wir in einer Gesellschaft mit Vollkasko-Mentalität leben. Natürlich: Grundsätzlich ist es sinnvoll, Risiken zu minimieren und das Sicherstmögliche anzustreben, sei es gesundheitlich, finanziell, beruflich. Das hat mit Vernunft zu tun. Und wir wollen ja – meistens wenigstens – vernünftig sein. Politisch ist es mit dem Risiko jedoch so eine Sache: Einerseits wollen wir keine Angsthasen-Politik betreiben, andererseits wollen wir den angepeilten Erfolg auch nicht mit Tollkühnheit gefährden. Auf gut neudeutsch ist also Riskmanagement gefragt.

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