„Gopf, von euch kommt inzwischen auch jeder Mist in der Zeitung, früher haben die nicht alles gebracht.“ – „So ein Quatsch, wir müssen die ganze Zeit kämpfen. Ihr seid übermässig vertreten, jedes noch so unsinnige Pamphlet eures Nationalrats aus Eglisau wird abgedruckt.“ – „Hört doch auf zu jammern. Ihr kommt wenigstens beide vor. Uns Kleine gibt es in den Medien gar nicht mehr, wir werden schlicht ignoriert.“ Diesen Dialog zwischen einem SVP-, einem SP- und einem CVP-Mitglied habe ich kürzlich in der Beiz gehört. Thema war die Präsenz der Parteien in der regionalen Tageszeitung. Die Rollenverteilung dürfte klar sein – das Sprachniveau entspricht zwei Bier plus.

Zuerst habe ich gedacht: Wenn alle gleich (un)zufrieden sind, kann es nicht so falsch laufen. Dann ist mir aufgefallen, dass dieses Gespräch symptomatisch ist für das, was in den Parteien über die Medien gedacht wird. Alle haben den Eindruck, sie würden zu kurz kommen. Ständig wird von Rechts moniert, die Medien seien links – und ebenso konsequent wird von Links darauf hingewiesen, dass die Medien rechts dominiert seien. Ehrlich gesagt: Wahr ist beides nicht. Zum einen, weil es „die Medien“ so gar nicht gibt. Und zum anderen, weil die Realität vielschichtiger ist. Natürlich gibt es Medien mit einem politisch-ideologischen Einschlag: Die Weltwoche neigt zum Konservativismus, die NZZ zum Liberalismus und das P.S. ist wohl unbestritten links. Doch das sind eher die Ausnahmen: Die meisten Medien – vor allem auch die elektronischen – neigen zu dem, was Spannung verspricht und Aufmerksamkeit bringt. Sie sind politisch nicht (mehr) klar positioniert. Als wichtig empfunden wird nicht das, was die Parteien relevant finden, sondern das, wovon angenommen wird, dass es die Leute interessiert.

Das kann, muss aber nicht, zu einer Entpolitisierung führen. Es kann eine Chance sein: Wenn es den Parteien gelingt, Politik volksnah zu machen mit transparenten Prozessen, verständlichen Botschaften und kompetenten Köpfen, dann wird sie medial aufgenommen und kommt beim geneigten Publikum an. Im Nominationsverfahren der SP für die Regierungsratswahlen ist dies gut gelungen (da es sich dabei um eine „Mannschaftsleistung“ gehandelt hat, erlaube ich mir diese Feststellung, ohne mich dem Vorwurf des Eigenlobs auszusetzen). Letztlich leben Medien und Politik in einer Symbiose. Beide sind aufeinander angewiesen. Sich über die Medien zu beklagen, bringt nichts. Nüchtern betrachtet geht es darum, eine gute Story zu erzählen. Jetzt beginnt der Wahlkampf: Zeit also, Geschichten zu erzählen – unsere Geschichten.

Kolumne im P.S., Oktober 2014


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