„Politik ist Organisation“, sagte Franz Müntefering, der frühere Vorsitzende der SPD. Für mich ist Politik mehr als das: Sie hat mindestens so sehr mit Inhalten, Ideen und Werten zu tun. Und vor allem: Sie hat mit Menschen zu tun. Letztlich wählen Menschen Menschen. Natürlich spielen Parteien und Institutionen eine wichtige Rolle; aber auch sie bestehen aus Menschen, die sie – im Positiven wie im Negativen – prägen und ihre Glaubwürdigkeit und ihr Image bestimmen. Gerade Majorzwahlen wie die Regierungsratswahlen zeigen dies hervorragend: Es treten Kandidierende an, die als Personen zur Wahl stehen, die jedoch auch von Parteien nominiert und unterstützt werden. Die Kandidierenden vertreten sowohl sich selber als Person wie auch ihre Partei – und wenn sie gewählt und im Amt sind, dann vertreten sie auch die Wählerinnen und Wähler und den Kanton.

Die SP hat die ausgezeichnete Ausgangslage, dass sie mit Jacqueline Fehr, Chantal Galladé, Priska Seiler und Sabine Sieber über mehrere qualifizierte Personen verfügt, die neben Mario Fehr für den Regierungsrat kandidieren möchten. Die Medien haben von einem „Luxusproblem“ und von „Wettbewerb“ gesprochen. Beides ist wahr: Mir sind zu viele Kandidierende lieber als zu wenige, und dass es bei der Besetzung von wichtigen politischen Ämtern mehr Interessierte als freie Sitze gibt, ist das Normalste der Welt – schlecht wäre es um die Politik bestellt, wenn beides nicht der Fall wäre. Die Delegierten können so eine echte Wahl treffen – wie später die Wählerinnen und Wähler auch. Neben der Personalfrage gilt es zusätzlich die Strategie zu klären: Zwei oder drei Kandidierende? Unterstützung von Kandidierenden anderer Parteien? Damit diese Fragen breit diskutiert werden können, führt die Kantonalpartei nach den Sommerferien drei partei-öffentliche Veranstaltungen in Zürich, Winterthur und Uster durch. Anschliessend findet am 4. September die Delegiertenversammlung zur Festlegung der Strategie statt, am 27. September nominieren die Delegierten die Kandidierenden. Das ist partei-interne Demokratie und gelebte Vielfalt. Um dies zu ermöglichen, braucht es Abläufe, Regelungen und Strukturen. Insofern hat der Genosse Franz recht: Politik ist auch Organisation. Genauso gehören aber auch Menschen dazu, die sich mit ihren Erfahrungen, ihrem Know How und ihren Visionen einbringen – und sich einer Wahl stellen. Auf dass wir uns alle entscheiden können (und müssen): Was ist am Besten für den Kanton und die Partei?

Ich freue mich auf einen spannenden Herbst. Bis dahin wünsche ich allen sonnige Sommertage.

Kolumne im P.S., Juli 2014


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