Wow - 86'366 Angebote im Umfang von 62 Millionen Franken! Dies sind die von der Uni Zürich wissenschaftlich erfassten gesamtgesellschaftlichen Leistungen der evangelisch-reformierten und der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich. Ich weiss nicht, wie es Ihnen ergangen ist, aber für mich waren diese Zahlen deutlich höher als erwartet.

Diese Zahlen zeigen, dass die gesamtgesellschaftlichen Leistungen der Kirchen, gerade im Sozialbereich, nicht einfach nur ein Nischenprodukt darstellen, sondern einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben einnehmen.

Die Angebote und Dienstleistungen der Kirchen und auch der weiteren Religionsgemeinschaften setzen häufig dort an, wo Lücken bei anderen Angeboten bestehen oder wo Hürden vorhanden sind. Würden die Kirchen diese gesamtgesellschaftlichen Leistungen nicht erbringen, müsste sie jemand anders erbringen. Und dieser jemand wäre wohl der Staat.

Insofern, geschätzte Anwesende, sollte für uns alle – unabhängig von der eigenen religiösen Haltung – unbestritten sein, dass die Kirchen entgegen allen Unkenrufen unverändert wichtige gesellschaftliche Akteure sind und das Zusammenwirken von Staat und Religionsgemeinschaften eine Win-Win-Situation ist.

Natürlich: Das Verhältnis von Kirche und Staat ist immer auch ein Spannungsverhältnis. Und natürlich ist nicht alles gold, was glänzt in den anerkannten Religionsgemeinschaften. Genauso wenig, wie umgekehrt beim Staat, in der Wirtschaft oder in der Gesellschaft immer alles gold ist, was glänzt.

Entscheidend ist aber: Wir haben im Kanton Zürich mit der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von Religionsgemeinschaften ein System, das funktioniert und das dem religiösen Frieden und dem sozialen Zusammenhalt dient.

Für uns ist es inzwischen längst eine Selbstverständlichkeit, dass die Vertreterinnen und Vertreter christlicher und jüdischer Religionsgemeinschaften einträchtig nebeneinander sitzen und einen konstruktiven Diskurs führen mit sich selber, aber auch mit dem Staat und weiteren, nicht öffentlich-rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften.

Ein Blick in unsere eigene Geschichte oder auch ein Blick über unsere Grenzen hinaus, zeigt aber schnell, dass es sich dabei um keine Selbstverständlichkeit handelt und weltweit religiöse Spannungen an vielen Orten unverändert an der Tagesordnung stehen.

Das Zürcher System trägt zum religiösen Frieden bei. Und religiöser Frieden wiederum ist eine zwingende Voraussetzung für politische Stabilität, wirtschaftliche Prosperität und öffentliche Sicherheit.

Die Jahresberichte der Religionsgemeinschaften sind ein guter Anlass, uns diese Tatsache immer wieder in Erinnerung zu rufen. Wir dürfen auf das Zürcher System durchaus Stolz sein.

Namens der SP-Fraktion danke ich Ihnen, den anerkannten Religionsgemeinschaften, für Ihre Tätigkeit und ihr Engagement. Wir nehmen die Jahresberichte und die Jahresrechnungen in zustimmendem Sinn zur Kenntnis.


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