Diesen Spruch habe ich kürzlich auf dem T-Shirt eines jungen Mannes gelesen. Im ersten Moment habe ich geschmunzelt. Dann aber ist mir aufgefallen, dass dies sehr zutreffend das Selbstverständnis und das Lebensgefühl vieler Menschen zum Ausdruck bringt. Individualismus ist schon lange ein Trend. Das ist auch gut: Wer will denn schon eine anonyme Nummer sein? Zunehmend wird aus der Individualisierung aber Egozentrismus, der in Selbstverliebtheit und Rücksichtslosigkeit mündet. Diese Entwicklung ist auch in der Politik feststellbar. Kein Wunder: Wenn privat und geschäftlich immer mehr so gehandelt wird, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis dies auch auf den politischen Betrieb durchschlägt. 

Gemäss liberaler Logik könnten wir sagen: Es werden Interessen vertreten und es findet ein Wettbewerb statt, bei dem sich die Besten, Überzeugendsten und Gewieftesten durchsetzen. Etwas nüchterner betrachtet müssen wir jedoch feststellen: Es geht weniger um einen Wettbewerb der Ideen, sondern um die Macht des Stärkeren.

Wer stärker ist, setzt sich und seine Interessen durch. Dabei haben der Blick für das Ganze und der Sinn für das Gemeinwohl keinen Platz mehr. Politisiert wird aus eigener Betroffenheit und Nutzenmaximierung. Es wird so gehandelt, wie es nützlich und gewinnbringend ist. Es wird eine bestimmte Klientel bedient. Beispiele, die dies belegen, gibt es zuhauf: Sie gehen von Donald Trump bis zur Unternehmenssteuerreform III.

Vor diesem Hintergrund staune ich nicht, dass ich immer wieder gefragt werde: Kann man sich für etwas einsetzen, von dem man selbst nicht betroffen ist? Politisch übersetzt heisst dies: Kann sich eine kinderlose Person für Familien einsetzen? Kann sich eine Seniorin für die Jugendarbeit stark machen? Kann sich ein Reicher für Arme engagieren? Kann sich ein Unternehmer für Arbeitnehmerrechte aussprechen? Kann eine Inländerin für Ausländerinnen tätig werden?

Gemäss der Logik der Klientelpolitik lautet die Antwort: Nein, dies bringt nichts und ist unnütz. Es sei denn, es ist mit einem unmittelbaren Vorteil verbunden. Gemäss der Logik der Linken lautet die Antwort aber: Ja, man kann nicht nur – man muss sogar! Eine Gesellschaft und ein Staat sind mehr als nur die Summe von Einzelinteressen und Einzelbestandteilen. Die Alternative zur Klientelpolitik ist die Gemeinwohlpolitik. Die Alternative zu den Egozentrikern und Ellböglern sind wir. Ich bin sicher, dass die eigentliche politische Auseinandersetzung in den kommenden Monaten und Jahren entlang dieser Frage laufen wird: Wer steht für das Gemeinwohl ein und wer für Einzelinteressen? Am Ende müssen sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheiden, auf welcher Seite sie stehen. Dazu müssen sie die zur Auswahl stehenden Alternativen kennen. Mich dafür einzusetzen, ihnen diese Alternativen aufzuzeigen, habe ich mir als Vorsatz für das eben begonnene Jahr vorgenommen. Liebe Leserin, lieber Leser, wie lautet dein Vorsatz?

Kolumne P.S., Januar 2017


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